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Barack Obama’s Ideal Running Mate

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Gastkommentar

Stephan Richter: Der ideale Partner für Barack Obama

Wer US-Präsident werden will, muss mit dem richtigen Vize ins Rennen gehen - Michael Bloomberg spricht alle Lager an und ist ein guter Manager.

Wenn Barack Obama sich selbst gegenüber ehrlich ist, wird er zwei Dinge eingestehen: Zum einen, dass seine größte Schwäche seine fehlende Erfahrung in Wirtschaftsfragen ist. Zum anderen, dass es einem möglichen nächsten US-Präsidenten gut zu Gesicht stünde, jemanden an seiner Seite zu haben, der die Märkte versteht und zugleich Erfahrungen in der Regierungsarbeit besitzt.

Das Duo, das künftig im Weißen Haus regieren wird, könnte mit vielen Themen konfrontiert werden, die einer grundlegenden Neuausrichtung, ja sogar einer Neuerfindung des amerikanischen Wirtschaftsmodells gleichkommen. Nachdem sich Amerika jahrzehntelang selbstgefällig in ökonomischer Überlegenheit gewähnt hat, ist es nun höchste Zeit zu erkennen, dass der Rest der Welt die einstigen Erfolgsformeln der USA längst kopiert und verbessert hat. Amerikas Entscheider haben es viel zu lange nicht geschafft, das Wirtschaftsmodell zu erneuern.

Zu lange wurden heikle Themen wie die Verteilung der Einkommen und die Frage, wer wie hoch besteuert wird, in der öffentlichen Diskussion einfach abgetan. Gleiches gilt für den blinden Glauben an Deregulierung, der sich - in Verbindung mit unfähiger Finanzaufsicht - für manche an der Wall Street als tödlich erweist. Und es gilt für die Frage, warum die amerikanischen Verbraucher keine Ersparnisse haben, warum sie beständig zu viel konsumieren, warum die USA im Umweltschutz nur Lippenbekenntnisse ablegen, warum die Einwanderung ideologisiert wird und warum das Gesundheitssystem dermaßen verschwenderisch ist.

Einige Beobachter halten die Aufgabenliste des nächsten US-Präsidenten für so lang, dass sie jenen Herausforderungen ähneln soll, vor denen die Länder Mittel- und Osteuropas nach dem Untergang des Kommunismus standen. Die arg beladene Agenda ist vielleicht auch der Grund, warum die Präsidentschaftskandidaten so viel Zeit mit dem Thema Irak zugebracht haben: Eine Lösung für dieses Problem mag eine langwierige Angelegenheit sein - aber möglicherweise ist sie noch einfach verglichen mit den anderen Aufgaben.

Wenn diese Analyse stimmt und in nächster Zeit zudem wirtschaftliche Unsicherheit herrscht in den USA, dann bleibt dem demokratischen Präsidentschaftsanwärter Obama nur eine Wahl für das Amt seines Vizepräsidenten: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. Als ehemaliger Demokrat, der dann Republikaner wurde und mittlerweile parteilos ist, spricht der Gründer des gleichnamigen Finanzinformationsdiensts alle politischen Lager an. Würde Obama ihn wählen, würde das Image des republikanischen Kandidaten John McCain als Mann der Mitte geschwächt. Bloomberg war als Bürgermeister von New York erfolgreich. Er gilt als guter Manager - und als teamfähig.

Es ist wahrscheinlich, dass Wirtschaftsthemen auf der Prioritätenliste des künftigen Präsidenten schnell nach oben wandern. Deshalb sollte es Obama sorgen, wenn McCain seinen innerparteilichen Konflikt mit dem konservativen Flügel beizulegen sucht, indem er seinen ehemaligen Widersacher Mitt Romney als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten vorschlägt: Romney verfügt als erfolgreicher Geschäftsmann über Prestige in der Wirtschaft. Doch trotz seines Wohlstands und seines Rufs als fähiger Manager wirkte er im Wahlkampf ungewöhnlich hölzern.

Egal, was Romney dem Wahlkämpfer McCain bringen würde: Bloomberg als Obamas Vizepräsident würde diese Vorteile nicht nur ausgleichen, sondern vermutlich toppen. Dennoch werden Zweifel laut, ob es wirklich so gut wäre, Obama mit Bloomberg ins Rennen zu schicken: Können es die Demokraten wirklich wagen, einen Afroamerikaner und einen Juden zu nominieren? Würde das die ansonsten guten Aussichten der Partei bei der Präsidentschaftswahl im Herbst nicht zerstören?

Dass derartige Überlegungen überhaupt angestellt werden, sorgt in vielen Teilen der Welt für Erstaunen. Ist es nicht an der Zeit, dass die USA, der selbst ernannte Hüter von Freiheit und Unabhängigkeit, derart überholte Denkmuster ablegen? Doch. Diese Denkweise ist seit mindestens 50 Jahren obsolet. Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Amerikaner das endlich unter Beweis stellen.

Stephan Richter ist Herausgeber des Online-Magazins The Globalist, www.theglobalist.com.







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