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Facebook's Deep Insights

For the company, supposedly deleted content endures forever.

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Er ist der Alptraum der Facebook-Manager: Max Schrems, 21 Jahre alt, Jurastudent in Wien. Schrems wollte wissen, ob Facebook sich an die europäischen Datenschutzregeln halten muss. Oft hatten europäische Datenschützer beklagt, dass es gegen den US-Konzern in Europa keine Handhabe gebe. Schrems studierte Nutzungsbedingungen, Gesetzestexte und machte eine folgenschwere Entdeckung:

Vermutlich aus Steuergründen hat Facebook eine irische Tochtergesellschaft, die "Facebook Ireland Limited", mit Sitz in Dublin. Alle Facebook-Nutzer außerhalb der USA und Kanada haben ausschließlich mit Facebook Ireland einen Vertrag. Damit können rund 70 Prozent der weltweit 710 Millionen Facebook-Nutzer nach europäischem Recht gegen Facebook vorgehen und sich eine Kopie der Daten übermitteln lassen, welche über sie gespeichert sind.

Über Tausend Seiten pro Person

Dieses Recht haben Max Schrems und drei weitere Studenten aus Wien in Anspruch genommen. Sie erhielten von Facebook CD-Roms mit ihren Daten zugeschickt und fanden Erstaunliches: Die schiere Menge der gesammelten Daten überstieg ihre Befürchtungen - die Datenprotokolle umfassten ausgedruckt mehr als Tausend Din-A-4-Seiten pro Person. Dabei stellten sie fest, dass Facebook nicht alles herausgerückt hatte, etwa Dateien über die "Gefällt mir"-Funktion und über die Gesichtserkennung.

Die Studenten konnten in den Datensätzen aber erstmals detailliert die Profile lesen, die Facebook über seine Nutzer anfertigt. Sie fanden 57 Kategorien, nach denen Facebook die Daten speichert: Vom Geburtsdatum über das Beziehungsverhalten bis zu religiösen und politischen Überzeugungen ist alles dabei.

Schrems und seine Kommilitonen entdeckten sogar reihenweise Datensätze, die sie in ihren Facebook-Accounts gelöscht hatten. "Removed Friends", heißt etwa eine Datenkategorie, in der Facebook die Namen der Personen aufbewahrt, die der Nutzer vermeintlich "gelöscht" hat. "Löschen" bedeutet in diesem Zusammenhang nur, dass Facebook laut den Protokollen zeitlich unbegrenzt und umfassend speichert, was wann von wem gelöscht wird.

So finden sich vermeintlich "gelöschte" Chat-Protokolle, E-mails, Postings, Freundschaftsanfragen und Namen in Facebooks Geheim-Protokollen. Für das Unternehmen bleibt der vermeintlich gelöschte Inhalt immer bestehen.

"Das ist rechtswidrig", meint Schrems. User dürften laut Datenschutzgesetzen nicht getäuscht werden. Wenn die Benutzeroberfläche von Facebook bei Löschvorgängen dreimal nachfrage, ob man wirklich alles löschen wolle, dürfe am Ende nicht alles gespeichert bleiben.

Schrems hat unter Facebook-Nutzern eine Bewegung ausgelöst, massenhaft verlangen sie jetzt ihre Daten. Doch es wird noch unangenehmer für den Konzern: Mit seinen Bekannten hat Jurastudent Schrems kürzlich 22 gut begründete Anzeigen gegen Facebook wegen Verstoß gegen Datenschutzgesetze eingereicht - natürlich bei der zuständigen irischen Datenschutzbehörde. Und diese drohte Facebook prompt offiziell eine Betriebsprüfung an.

Facebooks "geistiges Eigentum"

Die "gelöschten" Daten in den Protokollen "mussten für eine kurze Zeit für Nachforschungen aufbewahrt werden", sagt Facebook und erklärt damit nichts. An Schrems will Facebook seine noch fehlenden Daten nicht mehr übermitteln. Diese seien "geistiges Eigentum" von Facebook, so das Unternehmen. "Wenn meine gespeicherten Gesichtszüge das geistige Eigentum von Facebook sein sollen, dann kommen wir in den Bereich des total Absurden", hält Schrems dagegen und bekommt viel Zuspruch.

Die Initiative der Studenten sei zu begrüßen und zeige "wie intransparent Facebooks Datenverarbeitung ist", sagt Bundesdatenschützer Peter Schaar. "Alle Nutzer sollten nun von ihrem Recht auf Auskunft Gebrauch machen und prüfen, was Facebook über sie gespeichert hat." Wäre Facebook nicht ausgerechnet in die Steueroase Irland gezogen - es hätte für solche Aktionen kein Recht gegeben.







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