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Die US-Soldaten sind mit falschen Informationen, einer schlechten Strategie und viel Überheblichkeit in Afghanistan einmarschiert. Wie Land und Leute in dieser komplizierten Region funktionieren, haben sie erst spät gelernt. Und US-Präsident Bush machte noch einen desaströsen Fehler.

Als die USA einen knappen Monat nach den Terroranschlägen vom 11. September den Luftkrieg in Afghanistan begannen und den Vormarsch der Nordallianz unterstützten, können sie nicht viel gewusst haben über das Land. Der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte vier Wochen nach Beginn der Kämpfe, die Taliban verfügten über Panzer. Er unterstellte sogar, Tausende dieser Fahrzeuge könnten auf die US-Truppen warten. Er irrte sich. Gleichzeitig zeigte er sich über den Grad der Verschmelzung zwischen Taliban und al-Qaida erstaunt und sagte, die beiden Gruppen seien in Wahrheit eins - und beide müssten verschwinden.

Inzwischen ist Donald Rumsfeld politisch verschwunden, die Taliban sind wieder stärker geworden, nur die Bedeutung al-Qaidas in Afghanistan hat rasant abgenommen. Panzer sind in großen Mengen nicht aufgetaucht, sie fanden sich höchstens auf den Schrotthalden, die von den sowjetischen Invasoren zurücklassen wurden. Zehn Jahre lang hatten die westlichen Staaten Zeit, das Land kennenzulernen - und sie brauchten diese Zeit auch.

Gerade die amerikanische Politik in Afghanistan war von großen Schwankungen gezeichnet. Rumsfeld war es, der seine neue Militärstrategie ausprobieren wollte und eine Art Invasion Light plante. Gemeinsam mit Präsident George W. Bush und dessen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice vertrat er die Ansicht, dass ein Staatsaufbau oder die politische Stabilisierung nicht Aufgabe der USA seien. Vielmehr reduzierte er den Einsatz auf das simple Ziel: Vertreibung der Taliban. Als im November dann Kabul in den Händen der Nordallianz lag und die Petersberg Konferenz am 5. Dezember 2001 ohne Mitwirkung der Taliban Hamid Karsai zum Interimspräsidenten erhob, da schien die US-Mission erfüllt zu sein.

Invasion Light

Der erste und wohl größte Fehler der USA in Afghanistan war die schnelle Umorientierung auf den nächsten Kriegsschauplatz: Irak. Mindestens bis Ende 2003, also noch neun Monate nach der Invasion im Irak, unterschätzte die Regierung Bush das Gefahrenpotenzial, das von den lediglich über die Grenze nach Pakistan entschwundenen Taliban ausging. In Quetta konnte sich die aus Afghanistan vertriebene Führung neu positionieren und nahezu unbeachtet einen Militärapparat aufbauen. Der Westen freute sich unterdessen über die neue Verfassung Afghanistans, den nun tatsächlich gewählten Präsidenten Karsai und die diversen Friedensversammlungen der Stammesältesten in ihren bunten Gewändern.

Deutlich mehr Truppen, deutlich mehr Politik

Erst als die Nato 2003 (quasi als Kompensation für den Streit um den Irak-Einsatz) das Kommando in Afghanistan übernahm und in den Provinzen eigene Aufbauteams einsetzte, wurde die gefährliche Lage sichtbar: Briten, Niederländer, Kanadier und die USA wurden im Süden massiv angegriffen. Die Lage eskalierte Jahr um Jahr, im Sommer 2006 kam es beinahe zum Sturm der Taliban auf Kandahar. Die Nato reagierte mit Luftangriffen und brachte so auch die Bevölkerung gegen sich auf, weil zu häufig zivile Ziele bombardiert wurden.

Die Wiederauferstehung der Taliban war von politischer Unschlüssigkeit des Westens begleitet: Sollte man die Zentralregierung stärken? Wie konnten die Stämme und die regionalen Machthaber eingebunden werden? Finanziert vom wachsenden Drogengeschäft formulierten die regionalen Machthaber - Gouverneure, Polizeichefs, Milizführer - ihre eigenen Ansprüche, während UN und Nato in Kabul moderne Regierungsmethoden zu vermitteln suchten.

"Täuschen Sie sich nicht, wir verlieren diesen Krieg"

Der Guerilla-Krieg mit den Taliban kulminierte in extremer Gewalt im Jahr 2008, in dem der damalige US-Kommandeur David McKiernan unverblümt warnte: "Täuschen Sie sich nicht, wir verlieren diesen Krieg." McKiernan, der die erste Aufstandsbekämpfungs-Strategie geschrieben hatte, wurde kurz darauf vom gerade gewählten Präsidenten Barack Obama abgelöst. Seine Forderungen aber wurden erfüllt: deutlich mehr Truppen, deutlich mehr Politik.

Obama verlangte erstmals ein geschlossenes Konzept für den Staatsaufbau, für die Aufstandsbekämpfung und für eine starke afghanische Armee. Ehe in diesem Sommer die ersten zehntausend US-Soldaten Afghanistan wieder verließen, war die Truppe auf 100 000 Soldaten angeschwollen.

Obwohl die Soldaten gemeinsam mit den nun trainierten afghanischen Einheiten in vielen Provinzen für Stabilität sorgen konnten, wurde deutlich, dass ein rein afghanisches Konzept keine Ruhe bringen würde. Alle Versuche, vor allem die des inzwischen verstorbenen US-Vermittlers Richard Holbrooke, Pakistan von seinem zerstörerischen Einfluss auf die Taliban und damit auf die afghanische Stabilität abzubringen, scheiterten. Auch Obama musste feststellen: Je näher er dem afghanischen Problem kommt, desto komplizierter wird es.







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