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Triple U for the World Economy

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Die Wirtschaftsdaten sprechen dafür, dass drei Schwächephasen zu erwarten sind. Die Dritte trifft vor allem die USA.

Im Herbst 2008 wollte ich in der Debatte um den Buchstabensalat für die Charakterisierung des Verlaufs der Weltkonjunktur meine eigene Duftmarke hinzufügen. Damals sprachen die Experten von V-, U-, L- und W-Formen der bevorstehenden Wirtschaftsentwicklung. Letztere heißt im Englischen ja Double U. Da lag es nahe, meine Perspektive Triple U zu nennen: eine konjunkturelle Perspektive mit drei rasch aufeinanderfolgenden breiten Konjunkturtälern. Damit wollte ich die komplexen und sich längerfristig überlagernden Einflussfaktoren bezeichnen und den Umstand, dass ich eine rasche und durchgreifende Erholung nicht für wahrscheinlich hielt.

Wegen der starken geldpolitischen Gegensteuerung und der international koordinierten kräftigen keynesianischen Konjunkturstimulierung hat sich die Weltwirtschaft nach der Pleite der Lehman-Bank und der folgenden Finanzkrise aber fast ebenso rasch wieder erholt wie sie zuvor in die Krise abgetaucht war. Der Konjunkturverlauf bildete landauf, landab ein fast perfektes V. Daher habe ich meine These vom dreifachen U nicht weiter propagiert.

Jetzt, am Jahresende 2011, wird offenkundig eine neue weltweite Abschwächung erkennbar, nicht zuletzt als Folge des Wiederausbruchs der Bankenkrise und der Zuspitzung der Staatsschuldenkrise. Diese wird von den Märkten vor allem als Krise in Ländern des Euroraums gespielt, obwohl es dafür keine wirklich überzeugenden Gründe gibt, ist doch die Staatsverschuldung in vielen anderen Ländern ähnlich hoch oder höher.

In dieser Lage wiederhole ich doch gerne, was ich 2008 als plausiblen Konjunkturverlauf benannte: Die erste Abschwächung war eine Folge der Schockstarre nach dem Lehman-Konkurs, die Erholung stellte sich ein als Folge der koordinierten keynesianischen Politik. Die zweite Abschwächung erfolgte, weil die Bankenrettung nicht deren Sanierung bewirkte und die rettungsbedingt hohen Staatsschulden in Europa zur restriktiven Wende in der Fiskalpolitik führten. Die Erholung 2012 dürfte im Wesentlichen der fortgesetzten Dynamik in den Schwellenländern geschuldet sein und der erneuten Drogenverabreichung in den USA, um vor der Präsidentenwahl die Arbeitsmarktsituation zu verbessern. Weiß doch jeder, dass gilt: „It’s the economy, stupid!“, d.h. wer als US-Präsident die Arbeitslosigkeit nicht senkt, wird abgewählt.

Aber schon wird sichtbar, dass die Effektivität niedriger Zinsen und stimulierender Finanzpolitik abnimmt. Da ist Enttäuschung programmiert, und eines ist sicher: Die US-Schuldenentwicklung hat italienische Proportionen und das staatliche Defizit überschreitet alle europäischen und sonstigen Höchststände. Es wird 2012 im vierten Jahr hintereinander einen zweistelligen Prozentsatz des US-Sozialproduktes ausmachen. Damit sind Herabstufungen durch Ratingagenturen und die häufigere Abwendung internationaler Sparer von den US-Staatsanleihen programmiert. Wenn dies droht, werden der neue Kongress und der neue/alte Präsident nicht umhinkönnen, das finanzpolitische Paradigma neu zu justieren. Sparen wird auch in den USA zur unabweisbaren Devise. Dies wird zusammen mit höheren Kapitalmarktzinsen die US-Konjunktur und im Schlepptau die Weltkonjunktur in die dritte Abschwächung treiben.

Triple U also!







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