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Chaos Reigns without the US

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Zbigniew Brzezinski, der inzwischen 84 Jahre alte Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, beschäftigt sich in seinem neuen Buch mit der Frage, wie die Welt aussähe, wenn die USA keine Supermacht mehr wäre.

So klar, so offen, so schonungslos wie Zbigniew Brzezinski hat das selten zuvor ein Autor aufgeschrieben: „Zu reich, um relevant für die Armen der Welt zu sein, ist (Europa) zwar attraktiv für Einwanderung, aber findet keine Nachahmer. Zu passiv im Hinblick auf internationale Sicherheit, hat es nicht den nötigen Einfluss, um Amerika von einer Politik abzubringen, die eine globale Spaltung – vor allem gegenüber der islamischen Welt – fördert. Zu selbstzufrieden, handelt es, als sei es sein zentrales politisches Ziel, das behaglichste Seniorenheim der Welt zu werden. Zu sehr auf seinen Weg fixiert, fürchtet es die multikulturelle Vielfalt.“

Europa als Modell für die Welt, als ein Pol der Friedfertigkeit, des wirtschaftlichen Erfolgs und des globalen Einflusses? Was europäische Politiker so gerne hätten, ist für Brzezinski, den inzwischen 84 Jahre alten ehemaligen Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, kein Thema mehr. Europa ist Vergangenheit, die Zukunft gehört Asien. Aber sie könnte, wie Brzezinski in seinem Buch „Strategic Vision“ beschreibt, auch immer noch den USA gehören. Wenn die sich am Riemen reißen und ihre heimischen Probleme in den Griff bekommen.

Der gebürtige Pole Brzezinski ist lange genug Amerikaner, um wie ein Amerikaner zu argumentieren und den Europäern zu erklären, dass sie es nicht können. Aber er belässt es nicht dabei, mit dem Finger des Anklägers auf den alten Kontinent zu zeigen. Die USA hätten es allzu lange verstanden, auf „materiellen Wohlstand, auf Konsum und auf die Verbreitung der Genusssucht als Definition guten Lebens“ zu setzen. Das hätten sie nun davon, so der Realpolitiker Brzezinski: Die USA seien akut gefährdet, ihre Vormachtstellung als globale Macht zu verlieren.

Strategic Vision ist provokativ und lesenswert

Etwas alarmistisch, aber deswegen nicht weniger plausibel beschreibt Brzezinski, wie die Welt aussehen könnte, wenn die USA nicht mehr der wichtigste Spieler wären. Nicht etwa China rückte an die erste Stelle. Peking müsste sich diesen Platz mit zahlreichen anderen Regionalmächten teilen. Russland griffe vielleicht nach Georgien, nach Weißrussland und nach Aserbaidschan, China vielleicht nach Taiwan und Korea. Der Nahe Osten versänke noch ein wenig mehr im Chaos, so das überhaupt möglich ist. Wem die USA als nukleare Schutzmacht abhandenkämen, werde sich andere Staaten suchen, die atomare Schutzschirme aufzuspannen in der Lage seien.

Kurzum: Ohne Amerika droht das Chaos auf der Welt, schlussfolgert Brzezinski. Seinem Buch fehlen zwar die entscheidenden Vorschläge, um die Entwicklung abzuwenden. Aber provokativ ist das Buch allemal, und lesenswert auch.

Zbigniew Brzezinski: Strategic Vision. America and the Crisis of Global Power. Basic Books, 2012, 26 US-Dollar.







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