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Drug Fatalities in the US: White, Male, Young

It says a great deal about U.S. society and its politicians that this health problem [drug addiction] is being discussed so openly now that so many white citizens are being affected.

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Täglich sterben 125 US-Amerikaner an einer Drogen-Überdosis. Weil die Opfer meist weiß sind, reden Präsidentschaftskandidaten wie Jeb Bush und Chris Christie plötzlich über Süchtige in ihrer Familie.

Es war ein Nobelpreisträger, der das alte Klischee entlarvte, wonach in den USA vor allem Schwarze wegen Drogenkonsum sterben. Der Ökonom Angus Deaton zeigte im Dezember mit seiner Kollegin Anne Case, dass immer mehr weiße US-Bürger nicht mal 50 Jahre alt werden - und das liegt vor allem an Drogen- und Alkoholvergiftungen. Die Princeton-Studie sorgte für Aufsehen, weil es besonders viele ärmere und schlecht gebildete Weiße zwischen 45 und 54 sind, die früh sterben oder Selbstmord begehen. Latinos und Afroamerikaner hingegen leben generell immer länger.

Eine neue Analyse der New York Times von 60 Millionen Todesanzeigen zeigt nun, dass auch erstaunlich viele junge Weiße wegen Drogenkonsum sterben. Die Zahl weißer US-Bürger zwischen 25 und 34 Jahren, die wegen einer Überdosis von Drogen oder Schmerzmitteln ihr Leben verlieren, nimmt so stark zu, dass der Anstieg nur mit der HIV-Aids-Epidemie der Achtziger und Neunziger Jahre zu vergleichen ist.

Auch damals wurden viele Drogen konsumiert, doch es waren vor allem Afroamerikaner, die in den Armenvierteln der Großstädte Crack nahmen und oft an Überdosis starben. Doch seit Beginn des 21. Jahrhunderts sind auch Kleinstädte und Dörfer im ländlichen Amerika betroffen. Kein Bundesstaat wird verschont und gerade unter weißen Amerikanern steigt die Todesrate in allen Altersgruppen - bei Männern stärker als bei Frauen.

"Diese Epidemie hat jede Grenze überwunden. Sie betrifft Junge wie Alte, Reiche und Arme, Schwarze wie Weiße", sagt etwa Ted Gatsas der New York Times. Der Republikaner ist Bürgermeister von Manchester, der Hauptstadt von New Hampshire. In dem kleinen Staat an der Ostküste sterben mittlerweile mehr Menschen an einer Überdosis (321) als durch Autounfälle. Und weil dort am 9. Februar die zweite Vorwahl stattfindet, reden plötzlich alle Präsidentschafsbewerber über die Drogenepidemie - von Donald Trump über Hillary Clinton bis zu Jeb Bush alle Präsidentschaftsbewerber.

Viele Amerikaner, die Angehörige verloren haben, fragen sich: "Warum erst jetzt?" 2014 starben 47055 US-Bürger an einer Überdosis; das sind 125 pro Tag. Landesweit werden täglich 7000 Amerikaner in den Notaufnahmen der Krankenhäuser wegen Schmerzmittel-Missbrauchs behandelt - Tendenz steigend.

Auch konservative Politiker wissen: Jeder kann süchtig werden

Doch nun ist einiges in Bewegung: Selbst die Republikaner, die vor 45 Jahren den War on Drugs gestartet haben und ihn gemeinsam mit den Demokraten weiterführten, sprechen offen über das Thema. Jeb Bush erzählt den Wählern nicht nur, dass seine Tochter drogensüchtig war (sie landete sogar im Gefängnis, weil sie Crack im Schuh versteckt hat) - er lässt auch einen Wahlkampfspot produzieren mit der Botschaft: "Ich habe als Vater das Gleiche durchgemacht wie ihr."

Auch Carly Fiorina berichtet oft davon, dass sie eine Stieftochter wegen Drogen verloren habe - und forderte deswegen in der TV-Debatte bessere Hilfe für Süchtige. Chris Christie erzählt sehr emotional von seiner Mutter, die ihr Leben lang geraucht hat: "Als sie Lungenkrebs hatte, sagte niemand: 'Sie hat gekriegt, was sie verdient hat.' Aber wenn jemand süchtig nach Alkohol, Heroin oder Kokain ist, sind wir hartherzig."

Der Gouverneur aus New Jersey erzählt von einem hochintelligenten Freund aus der Law School, der viel Geld und eine großartige Familie hatte. Nach einer Sport-Verletzung erhielt er Schmerzmittel - und wurde süchtig. Zehn Jahre später fand man ihn tot in einem Motel. Chris Christie, dessen politisches Talent in diesem Video unübersehbar ist, endet mit den Worten: "Der Kerl hatte alles, wonach wir Amerikaner Erfolg messen. Und er wurde süchtig, niemand konnte ihm helfen. Es kann jedem von uns passieren."

Mangelnde Aufsicht führt zu massenhaftem Schmerzmittel-Konsum

Seit Mitte der Neunziger verschrieben viele Ärzte Patienten, die über Knie- oder Rückenschmerzen klagten, das Medikament OxyContin, das Oxycodon enthält. Dieses Opioid wirkt wie Heroin und macht Patienten süchtig. Laxe Aufsicht durch staatliche Behörden führte dazu, dass Ärzte die Gefahr von OxyContin lange ignorierten: Der Hersteller Purdue behauptete, dass "weniger als ein Prozent" der Patienten abhängig würden. Rentner verkauften die Schmerzmittel oft weiter - an Junkies, die nach dem "Hillbilly Heroin" gierten.

Ein Grund, weshalb deutlich weniger Schwarze und Latinos süchtig nach Schmerzmitteln sind, liegt nach Einschätzung von Experten daran, dass Ärzte bei diesen Gruppen seltener OxyContin und ähnliche

Präparate verschreiben - auch aus Sorge, dass diese Medikamente auf dem Schwarzmarkt landen.

Es sagt natürlich einiges über die US-Gesellschaft und ihre Politiker aus, dass über dieses Gesundheitsproblem erst so offen geredet wird, seitdem viele weiße Bürger betroffen sind. Anfang Januar gestand Ohios Gouverneur John Kasich, ebenfalls konservativer Präsidentschaftskandidat, dieses Versagen ein: "Manchmal frage ich mich, wie sich Afroamerikaner gefühlt haben müssen, als Drogen ihre Stadtviertel verwüstet haben und niemand hingeschaut hat."

Jahrzehntelang wurden Drogensüchtige als "moralisch schwach" abgestempelt, doch nun ändert sich auch im Wahlkampf die Wortwahl: Häufiger ist nun von "Krankheit" statt "Sucht" die Rede. Bisher schrecken die meisten Republikaner (anders als die Demokraten Hillary Clinton und Bernie Sanders) jedoch vor Forderungen zurück, die Strafen für den Besitz von Marihuana oder Crack zu verringern - diese werden häufiger von Latinos und Afroamerikanern konsumiert.

Doch allein die Tatsache, dass sich so viele Weiße im ganzen Land nicht mehr schämen, bei öffentlichen Veranstaltungen über ihre drogensüchtigen Verwandten und Kollegen zu sprechen, bietet die Chance, dass sich an Amerikas Umgang mit Drogen etwas ändert. Zu viele Bürger wollen die Politiker in Washington aufrütteln - und sie bekommen mehr Aufmerksamkeit denn je.







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