America Uses the ‘H’ Word

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Amerika stellt die H-Frage

Die Gesundheit der US-Präsidentenanwärter wird zentrales Wahlkampfthema

Acht Wochen vor der Präsidentschaftswahl schiebt sich in den USA plötzlich die H-Frage in den Vordergrund. H wie “Health”. Gesundheit. Besser spät als nie. Schließlich ist es nicht mehr der Inbegriff jugendfrischer Dynamik, der nach der Macht greift. Es sind zwei rüstige Senioren, die im Januar ins Weiße Haus einziehen wollen. Hillary Clinton wäre am ersten Amtstag 69 Jahre alt – und damit so betagt wie Ronald Reagan zum Start seiner Amtszeit. Donald Trump wäre mit 70 gar der älteste Commander-in-Chief in der Geschichte der USA. Da liegt die Frage auf der Hand: Haben beide genug Kondition, um mindestens vier Jahre die beinharte Belastung im Amt zu meistern?

Hillary Clinton läuft gerade Gefahr, alles zu verspielen. Ihr Kollaps bei der Gedenkfeier zum 11. September bedeutet eine Zäsur. Statt früh und offen einzuräumen, dass sie eine Lungenentzündung verschleppt hat und für ein paar Tage kürzertreten muss, verheimlichte ihr Wahlkampfteam die Erkrankung. Das hat – wie bei der E-Mail-Affäre – Methode. Selbst wenn man anerkennt, dass sie sich in einem historischen Moment keine Blöße geben wollte, ist die Geheimniskrämerei nur dies: unsouverän und überflüssig. Ein ehrliches Wort hätte sie menschlich(er) gemacht.

Die Frage ist nun, wie schnell Clinton wieder auf die Beine kommt. Davon wird abhängen, ob Donald Trump von der Malaise seiner Rivalin profitieren kann. Dass Trump, der am Montag ebenso verlogen wie gekonnt artig “Gute Besserung” wünschte, sich als kerngesund stilisiert, kommt auf den Prüfstand. Das Attest seines Leibarztes gilt unter seriösen Medizinern als Quacksalberei. Trump wird mehr liefern müssen als dünne Bulletins, die vielleicht in TV-Shows Eindruck schinden, aber nicht im harten politischen Alltag.

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