Otto Warmbier: The Student’s Death Entails Incalculable Risks

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Je weniger Skrupel ein Verbrecher hat, desto größer ist sein Vorteil gegenüber den Strafverfolgern. Die nämlich haben sich an Recht und Gesetz zu halten, selbst wenn andere es schändlich verletzen.

Die gleiche Asymmetrie besteht auch im Verhältnis von Staaten. Das Regime in Nordkorea hat mit der mörderischen Behandlung des US-Studenten Otto Warmbier ein kaum zu unterbietendes Zeichen für Gewissenlosigkeit und Inhumanität gesetzt.

Das gilt auch für den unwahrscheinlichen Fall, dass der 22-Jährige tatsächlich „nur“ erkrankt sein sollte, wie Pjöngjang behauptet. Denn dann hätte der Patient längst heimgeschickt werden müssen, nicht erst jetzt, da ihm selbst die Hightech-Medizin daheim nicht mehr helfen konnte.

Jenseits jeder rechtsstaatlichen Norm

Die Vorwürfe gegen Warmbier waren von Anfang an grotesk, die drakonische Strafe lag jenseits jeder rechtsstaatlichen Norm. Der junge Mann wurde stellvertretend für sein Volk als Hassobjekt missbraucht.

Aus alledem folgt, was ohnehin jeder weiß: Nordkorea ist ein „Failed State“. Aber nicht, wie anderswo, wegen des Ausfalls der staatlichen Ordnung, sondern wegen ihrer völligen Schrankenlosigkeit.

Ausgerechnet die Verbrecherbande um Diktator Kim gibt nun Anlass, nach den Qualitäten Donald Trumps als Führungsfigur zu fragen. Der US-Präsident hatte schon nach den Giftgaseinsätzen des Assad-Regimes auf militärische Härte und die Logik der Vergeltung gesetzt. Damals waren Syrer die Opfer. Jetzt ist – in grausiger Ausdeutung von Trumps Wahlkampfslogan – Amerika vorn.

Unkalkulierbare Folgen

Es ist Trump zuzutrauen, dass er auf den furchtbaren Einzelfall wie auf eine Attacke gegen die ganze Nation reagiert. Man mag da mit dem Historiker Tobias Stone vor einem Franz-Ferdinand-Moment der Geschichte warnen mit allen unkalkulierbaren Folgen.

Trump ist hoffentlich so sehr Herr seiner Hormone und Sinne, das zu berücksichtigen. Und zu bedenken, was ihn von einem Verbrecher unterscheidet.

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