Hillary Wants to Take Vice-Presidency By Force

<--

Hillary will Amt als Vize erzwingen

VON HEIKO ROLOFF

Ihr Mann Bill Clinton hatte es angedeutet: „Dienstag könnte der letzte Tag ihrer Kampagne sein.“

Die Partei-Bosse hatten es am Wochenende gefordert: „Nach dem 3. Juni müssen wir uns einig sein.“

Die US-Medien wie AP oder CNN hatten es am Dienstagmorgen vorhergesagt: „Hillary Clinton wird ihre Niederlage eingestehen.“

Sie alle lagen falsch. Hillary Rodham Clinton (60) dachte gar nicht daran, von Niederlage zu sprechen oder gar Barack Obama (46) offiziell zu unterstützen. Als sie um 21.30 Uhr Ortszeit nach den Vorwahlen von Montana und South Dakota in ihrer Heimatstadt New York auftrat, präsentierte sie sich wie eine Gewinnerin.

„Ich möchte Senator Obama und seinem Team zu dem gratulieren, was sie erreicht haben“, sagte sie. Was er erreicht hat – nämlich die Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten – sagte sie nicht. Stattdessen erklärte sie ihm beinahe brutal: Wenn du meine Unterstützung willst, dann musst du mich zur Vizepräsidentin machen!

„Wer ist der stärkste Präsident?“, fragte sie und untergrub damit erneut Obamas Erfahrung. Dann holte sie zu einer weiteren Attacke aus: „18 Millionen Menschen haben für mich gestimmt. Das sind mehr Stimmen als je ein demokratischer Kandidat in der Geschichte der Vorwahlen bekommen hat.“ Die provokante Botschaft an Obama: Ich habe mehr Stimmen als du.

Schließlich stellte sie die Frage, auf die alle warteten: „Was will ich? Ich will, dass die 18 Millionen, die für mich gestimmt haben, gehört werden. Ich werde deshalb heute keine Entscheidung treffen.“ Und dann dröhnte der Tina-Turner-Song aus den Lautsprechern: „You are simply the best. Better than all the rest.“ (Du bist einfach die Beste.)

BUMM! Die politischen Analysten in den USA waren geschockt. David Gergen, der Berater von George Bush Senior und Bill Clinton war: „Sie hält Obama das Messer vor die Brust, will die Vizepräsidentschaft erzwingen. Diese Nacht hätte Barack Obama gehören sollen.“

Die meisten Analysten waren sicher: „Obama kann sich das nicht gefallen lassen.“ Doch wenig später sprach Obama in Minnesota. Und bevor er sich zum Kandidaten der Demokraten erklärte, lobte er Hillary Clinton überschwänglich: „Sie ist eine Führerin, die Millionen Amerikaner inspiriert.“

Warum war die eigentliche Verliererin der Vorwahlen so fordernd? Warum war der Gewinner so vorsichtig?

Hillary Clinton ist vermutlich die mächtigste Zweite, die es je bei Vorwahlen gegeben hat. Umfragen haben immer wieder ergeben: Ohne sie wird Obama es ganz schwer im Kampf gegen John McCain haben. Jeder dritte Hillary-Wähler würde eher für McCain als für Obama stimmen.

Die Stimmen, die eine Vizepräsidentin Hillary Clinton für Obama bringen kann:

• Da sind die so genannten Swing-Staaten, die mal republikanisch, mal demokratisch wählen: Florida, Ohio, Pennsylvania, Michigan oder New Hampshire. Hillary Clinton hat all diese Staaten gegen Obama gewonnen und würde hier laut Umfragen auch gegen McCain gewinnen.

• Da ist die weiße Arbeiterklasse, die mit großer Mehrheit für Hillary Clinton gestimmt. Obama hatte viele von ihnen verletzt, als er meinte: „Amerikas Kleinstädter sind frustriert und flüchten sich in Religion oder Waffen.“ Sie halten ihn für elitär. Wie schon Al Gore oder John Kerry spricht er nicht ihre Sprache, Hillary schon.

• Da sind die Frauen. Auch hier haben deutlich mehr für Hillary als für Obama entschieden. Sie hatten darauf gehofft, dass endlich die erste Frau ins Weiße Haus einziehen würde.

• Da sind die einflussreichen jüdischen Demokraten. Auch sie tendieren nicht erst nach den antisemitischen Bemerkungen von Obamas ehemaligen Pastor deutlich in Richtung Hillary Clinton.

• Da sind die lateinamerikanischen Wähler. Sie haben Probleme mit einem afroamerikanischen Kandidaten. Die Clintons haben dagegen viel für sie getan, um in den USA integriert zu werden.

Tatsächlich kann kein anderer Demokrat Obama so sehr helfen, der erste farbige Präsident der USA zu werden, wie Hillary. Und Obama weiß dies. Er hat seit Wochen immer wieder betont, wie verdienstvoll seine Rivalin ist. Am Dienstag sagte er sogar: „Sie wird eine entscheidende Rolle in meiner Politik spielen.“

Problem: Die Rolle könnte zu entscheidend sein. Mit den 18 Millionen Wählern hinter sich, wäre sie als Vizepräsident noch mächtiger als Dick Cheney oder Al Gore. Und: Obama hätte dann auch noch einen Expräsiden

About this publication