America in a Tight Spot

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In der vergangenen Woche hatte ich über die steigenden Lebenshaltungskosten in New York (aber auch in ganz Amerika) berichtet. Einige Leser schrieben daraufhin zurück: „Wenn ich es durch den Eurokurs von 1,56 teile und auf Euro umrechne, dann sind manche Dinge wie Milch bei uns teurer. Benzin sowieso.“

Autofahren wird auch in den USA bald zu einer teureren Angelegenheit

Stimmt. Aber: Die Amerikaner verdienen keine Euro, sondern Dollar! Deshalb muss man die Preise mehr oder weniger im Vergleich 1:1 sehen. Und was das Benzin angeht: Stimmt ebenfalls. Doch erstens ging es nicht um einen Vergleich zwischen Deutschland und Amerika, sondern zwischen Amerika 2007 und Amerika 2008.

Zweitens ist das Benzin in Deutschland so teuer, weil der Staat so viel Steuern aufschlägt. Drittens fahren die Amis (selbst Schuld, ich weiß) viel längere Strecken, und ihre Sechs- und Acht-Zylindermaschinen sind katastrophale Schadstoffschleudern und Schluckspechte.

Doch der Trend kippt. Erstmals sind in den USA Kleinwagen das am meisten verkaufte Segment. Die großen Drei (Ford, General Motors und Chrysler), welche die Ölpreisentwicklung total verpennt haben, stellen ihre Flotte fieberhaft um. „Kleiner, effizienter, europäischer”, heißt auf einmal das Motto im Land des Größenwahns, das plötzlich den Gürtel enger schnallen muss.

Am Freitag gab es eine weitere Wirtschaftsmeldung, die mich stutzig machte: Die Arbeitslosenquote ist auf 5,5 Prozent gestiegen. Klingt aus deutscher Sicht harmlos. Doch in dieser Zahl sind nur die Arbeitslosen berücksichtigt, die noch „offiziell” nach einem Job suchen. Für diejenigen, die aufgegeben haben, ist in den US-Statistiken kein Platz.

Wie hoch ihre Zahl ist, weiß niemand. Aber es sind Millionen.

Und: Es ist der fünfte Monat in Folge, in dem die Arbeitslosenzahl in den USA gestiegen ist. Zudem kündigen zahlreiche Großunternehmen weitere Kürzungen an.

Amerika sitzt also gegenwärtig in der Klemme. Steigende Lebenshaltungskosten (Experten erwarten bis 2012 jedes Jahr ein Preisplus von 9 Prozent!) und explodierende Energiepreise, einerseits. Eine stotternde Wirtschaft mit fast keinem Wachstum, andererseits.

Auch andere Wirtschaftsdaten der vergangenen Woche klangen besorgniserregend. Die Zahl der Zwangsversteigerungen ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Und das Einkommen derjenigen, die noch arbeiten, ist inflationsbereinigt erneut gesunken. Die Kaufkraft der Amis (der US-Konsument ist bis heute die wichtigste Kraft der Weltwirtschaft) wird schwächer und schwächer.

Kein Wunder also, dass der Irak längst nicht mehr die größte Sorge der Amis ist.

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