Karzai’s Futile Campaign

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Karsai wirbt vergeblich

VON STEFAN SCHOLL

26 March 2009

Die Herrschaft über Afghanistan galt für ganze weltpolitische Epochen als Schlüssel zur Macht in Asien. Um seine kargen Felsen kämpften das britische und das russische Imperium, die Sowjetarmee und die CIA. Um dieses Schlüssel willens wurde ein komplettes englisches Expeditionskorps abgeschlachtet, ebenso wie 16 000 Sowjetarmisten. Und hunderttausende afghanische Zivilisten. Die Verluste der heutigen Befrieder sind dagegen gering. Aber auch sie suchen vergeblich nach dem Schlüssel zur Macht und Stabilität wenigstens für Afghanistan selbst.

Jetzt denkt Washington laut darüber, wie sinnvoll seine Militärpräsenz auf Dauer ist. Die Verbündeten drücken sich seit langem, ihre Kontingente aufzustocken. Hamit Karsai, der Präsident von Amerikas Gnaden, gilt als Muster ohne Wert. Auch seine immer offensichtlicheren Versuche, mit Moskau ins Geschäft zu kommen, versprechen kaum Erfolg. So sehr sich der Kreml über jeden Fehlschlag der USA freut, vor Afghanistan grault es auch den Russen.

Spätestens seit dem Abzug der gescheiterten Sowjetarmee 1989 ist Afghanistan den Russen Synonym für permanentes, grausames Chaos. Nicht klein zu kriegende Gotteskrieger, das mittelalterliche Elend einer wirtschaftlichen Dauerkatastrophe, Antiterrorbomben, die Kinder zerfetzen, rivalisierende Warlords, die außer Heroin auch die Feuerkraft ihrer Privatarmeen verkaufen, und ein vor Korruption berstender Staatsapparat.

Offiziell gibt es in Russland zwar niemand zu. Aber alle im Land sind heilfroh, dass sie mit der Machtfrage in Afghanistan nichts mehr zu tun haben.

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