Obama Wants to Avoid an Official Visit with Merkel

<--

Obama will Kanzleramt-Visite bei Merkel vermeiden

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

US-Präsident Obama kommt im Juni wieder nach Deutschland – aber aus dem Wahlkampf hält er sich raus. Er plant eine eher private Reise nach Dresden und zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald, einem offiziellen Shakehands mit Angela Merkel im Kanzleramt geht er aus dem Weg. Offenbar mit voller Absicht.

Washington – Die geplante Deutschlandreise von US-Präsident Barack Obama im Juni soll nicht wie ein offizieller Staatsbesuch ablaufen. Auf Wunsch des Weißen Hauses, erfuhr SPIEGEL ONLINE aus deutschen Diplomatenkreisen, ist vielmehr eine eher private Visite geplant. Offenbar auf ausdrücklichen Wunsch Obamas soll sie auch eine persönliche Suche auf den Spuren eines Vorfahren beinhalten.

Präsident Obama: Der Kanzlerin wäre ein offizieller Auftritt des populären US-Präsidenten in Berlin sicherlich lieber

Zur Großansicht

REUTERS

Präsident Obama: Der Kanzlerin wäre ein offizieller Auftritt des populären US-Präsidenten in Berlin sicherlich lieber

An Dienstag war bekanntgeworden, dass ein Vorausteam des Weißen Hauses derzeit in Dresden unterwegs ist, dort prüft es unter anderem denkbare Übernachtungsstätten. Außer einer Stippvisite an der Elbe soll ein Besuch des Präsidenten an der Gedenkstätte auf dem Gelände des Nazi-Konzentrationslagers Buchenwald geplant sein.

Obamas Großonkel Charlie Payne war im Zweiten Weltkrieg als Mitglied der 89. Infanterie-Division an der Befreiung des Arbeitslagers Ohrdruf beteiligt, einem Buchenwald-Unterlager. Denkbar wäre eine Visite Obamas zum Beispiel am 5. Juni, einen Tag vor seiner geplanten Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Landung amerikanischer Truppen in der Normandie.

Dresden biete eine gute Gelegenheit, historische Eindrücke von Deutschland zu erhalten, sagte ein Diplomat. Doch seien auch noch andere Orte im Gespräch. Die Bundesregierung ist in die Visite des Vorausteams eingebunden. Vor kurzem wurde der Besuchswunsch des Weißen Hauses an sie herangetragen.

Beziehung Merkel-Obama hat sich nur mäßig entwickelt

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte am Dienstag erklärt, es gebe “erste Überlegungen” für einen Reise Obamas im Juni. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würde sich über einen erneuten Besuch des US-Präsidenten freuen, erklärte Wilhelm. Während des Nato-Gipfels in Kehl und Straßburg Anfang April hatte Obama bereits einen Abstecher nach Baden-Baden absolviert. Als Präsidentschaftskandidat hielt er im Juli 2008 eine vielbeachtete Rede vor rund 200.000 Menschen an der Berliner Siegessäule.

FORUM

Forum

100 Tage Obama – Ihre erste Bilanz?

Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern!

502 Beiträge

Neuester: Gestern 21:48 Uhr

von nahal

Deutsche Diplomaten erklären nun eilig, der eher private Charakter der geplanten Visite füge sich in diese Reihe blendend ein. Doch könnte es sich dabei um eine Beschönigung handeln. Denn ein offizieller Besuch Obamas in der Hauptstadt Berlin scheint nun während des deutschen Wahlkampfes so gut wie ausgeschlossen. Zumindest der Kanzlerin wäre ein offizieller Auftritt des populären US-Präsidenten im Kanzleramt sicherlich lieber gewesen als ein Besuchsprogramm in Sachsen und Thüringen.

Diplomaten verweisen freilich darauf, auch andere wichtige Nationen wie Frankreich hätten sich bislang vergeblich um einen regulären Staatsbesuch bemüht. Freilich könnte hinter der ungewöhnlichen Reiseplanung durchaus eine Botschaft des Weißen Hauses stecken. Die Beziehung zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem neuen US-Präsidenten hat sich bisher nur mäßig entwickelt.

Merkel widersetzte sich Obamas Wunsch, als Kandidat bereits am Brandenburger Tor sprechen zu dürfen. Bislang hat sie auch noch keinen offiziellen Antrittsbesuch in Washington absolviert – obwohl vor dem G-20-Gipfel im April schon ein Termin gefunden war. Doch die Kanzlerin hatte dem Vernehmen nach keine rechte Lust, für wenige Stunden Gespräch eigens über den Atlantik zu reisen. Im Gegenzug könnte nun Obama wenig Lust haben, ihr die offizielle Staatsvisite zu gewähren, die Amerikas engster Verbündeter Großbritannien im Rahmen des G-20-Treffens bereits erhalten hat.

MEHR ÜBER…

Barack Obama Angela Merkel Charlie Payne Buchenwald Ohrdruf

zu SPIEGEL WISSEN

Ist daraus eine Entfremdung der beiden Politiker abzuleiten? Merkel und Obama hätten sich bei bisherigen Zusammenkünften wie dem G-20-Treffen oder dem Nato-Gipfel prächtig verstanden, versichern deutsche Top-Beamte. Ihre Charaktere seien sehr ähnlich, die deutsch-amerikanische Beziehung werde derzeit einfach von “strategischer Geduld auf beiden Seiten” geprägt, so die diplomatische Formulierung.

About this publication