Hate Propaganda

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Hass als Propaganda

VON Markus Decker

19.03.10

Es kann hier nicht den geringsten Zweifel geben: Die Behauptungen des früheren US-Generals John Sheehan über die Hintergründe des Massakers von Srebrenica sind abenteuerlich und unverschämt. Der Ex-Offizier beleidigt mit seinen Äußerungen die Homosexuellen in Amerika wie überall auf der Welt. Und er ist sich nicht zu schade, den grausamen Mord an 8 000 muslimischen Jungen und Männern zu billigsten Propaganda-Zwecken zu missbrauchen.

Die Äußerungen sind nur im Kontext der Vereinigten Staaten zu begreifen. Dort steht gerade ein Tabu zur Debatte. Präsident Barack Obama will, dass Schwule sich in der Armee nicht mehr verstecken müssen. Sheehan ist Akteur eines politischen Kulturkampfes zwischen dem liberalen und dem konservativ-reaktionären Lager – eines Kulturkampfes, der auch im Streit um die Gesundheitsreform sichtbar wird und in dessen Zentrum der Modernisierer Obama selbst steht.

Es geht hier nicht um richtig oder falsch, sondern um gut oder böse. Dabei ist jede Menge Intoleranz im Spiel. Deutschland sind solche Zuspitzungen schon seit längerer Zeit fremd geworden. Es gibt Anlass, sich darüber zu freuen.

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