The United States: No Special Favors for Big Shots

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Posted on May 17, 2011.

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USA: Kein Bonus für Prominente

Von Viktor Hermann

16. Mai 2011

Dominique Strauss-Kahn wird in New York jenen Prozeduren unterworfen, die für alle Verdächtigen gelten.

Die Affäre um Dominique Strauss-Kahn wird umso verwirrender, je länger sie dauert. Hat es einen sexuellen Übergriff gegeben, eine Vergewaltigung – ist also der IWF-Direktor ein Täter? Oder ist das ganze eine Intrige, ein abgekartetes Spiel, um einen potenziellen französischen Präsidentschaftskandidaten zu desavouieren? War der Mann zur Tatzeit gar nicht im Hotel sondern saß unschuldig mit seiner Tochter in einem Restaurant beim Essen?

Die französischen Medien haben, so scheint es, ihr Urteil zugunsten des Beschuldigten ebenso schnell gefällt wie die amerikanischen Medien das ihre zu seinen Ungunsten. Bleibt die Frage, ob dem Mann in den Händen der amerikanischen Justiz Gerechtigkeit widerfahren wird.

Bemerkenswert erscheint zunächst einmal, dass die New Yorker Polizei ohne Ansehen der Person gehandelt hat. Es lag eine schwere Beschuldigung vor, der angebliche Täter war noch greifbar, wenn auch nur gerade noch kurz vor dem Abflug seiner Maschine aus den USA – und sie griff zu. Von der Festnahme weg wurde Strauss-Kahn exakt jenen Prozeduren unterworfen, mit denen jeder Tatverdächtige in den USA rechnen muss: Vorläufige Untersuchungshaft, Einvernahme, Beweiswürdigung, Anhörung vor dem Haftrichter. So prominent kann einer in den USA nicht sein, dass er diesem, manchmal durchaus demütigenden Ablauf entkommt. Davon wissen zahllose Politiker, Schauspieler, Stars und Prominente ein Lied zu singen.

Das läuft oft ganz anders als in Europa. Zuletzt zeigte sich dieser Unterschied im Rechtsverständnis daran, wie man in Europa mit Roman Polanski umging, dem in den USA Haft wegen Vergewaltigung drohte. In Europa fanden viele man könne „so” nicht mit einem Künstler umgehen.

In Italien, das wissen wir spätestens seit Berlusconi, entwindet sich so mancher Übeltäter dem Zugriff der Justiz mit allerlei Tricks. In Frankreich hat man von Strauss-Kahns früheren Übergriffen gewusst – und sie mit einem Schulterzucken abgetan. Und in Österreich, so steht nach den jüngsten „Leistungen” diverser Staatsanwälte zu fürchten, hätte man wohl nicht den Beschuldigten festgenommen, sondern das Opfer.

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