Fall of the Stock Markets: Mr. Bernanke Is Disenchanted

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Die Fed stützt mit einer halben Billion Dollar die Konjunktur – und die Kurse brechen trotzdem ein. Die Reaktionen der Märkte belegen, dass das Vertrauen in die einst mächtigste Notenbank der Welt sinkt und nur eine Gruppe die Krise eindämmen kann: die Politik.

Unbefangene Beobachter mögen am Donnerstagmorgen gerätselt haben: Die amerikanische Notenbank versucht mit weiteren 400 Milliarden Dollar die Konjunktur zu stützen und den Absturz in die Rezession zu verhindern. Die Anleger an den Weltbörsen freuen sich aber nicht über das Geschenk, im Gegenteil: Sie fliehen aus allem, was nach Risiko aussieht, die Aktienkurse brechen ein. Wie ist das zu erklären?

Die heftige Reaktion hat zwei erkennbare Ursachen. Erstens hat die Fed ihren Wirtschaftsausblick deutlich verdüstert. Erstmals ist in der Erklärung des Offenmarktausschusses von “signifikanten” Risiken für eine weitere Verschlechterung der Lage die Rede. Diese Risiken liegen zudem außerhalb des Zugriffs der Fed, nämlich in Athen, Brüssel und Berlin. Die Angst, dass die Schuldenkrise Europas auch Amerika und den Rest der Welt ansteckt, ist mittlerweile groß und die Fed hat dies am Mittwoch manifest gemacht, ohne dass sie das Wort “Europa” hätte erwähnen müssen.

Die zweite Ursache liegt im Kleingedruckten der “Operation Twist”. Diese Operation – der Kern des jüngsten Fed-Beschlusses – besteht darin, dass die Notenbank bis Juni 2012 für 400 Milliarden Dollar langfristige Staatsanleihen kauft und im gleichen Umfang kurzfristige verkauft. Der – gewünschte – Effekt wird sein, dass der Zinsunterschied zwischen einjährigen und dreißigjährigen Anleihen schrumpft. Damit werden zwar Kredite für Hauskäufer und Unternehmer billiger, den Banken fällt es aber immer schwerer, mit diesen Krediten Geld zu verdienen. Pensionsfonds und andere Großanleger bekommen Probleme, Zusagen an ihre Kunden einzuhalten. Deshalb waren vor allem Finanztitel von der Verkaufswelle an den Börsen betroffen.

Noch ein weiterer Punkt ist wichtig. Die Fed beschloss, künftig Erträge, die sie mit ihren Hypothekenanleihen erzielt, wieder in neue Hypotheken zu investieren. Sie stützt also massiv den amerikanischen Häusermarkt und räumt damit ein, dass dieser – vier Jahre nach dem Platzen der Immobilienblase – immer noch in einem desolaten Zustand ist. Die Aktion hilft Hausbesitzern, schadet aber den Banken, die mit Hypotheken weniger Geld verdienen können.

Alles in allem ist die Fed dem Kurs ihres Präsidenten Ben Bernanke gefolgt: Bei Gefahr ist es immer noch besser, irgendetwas zu tun, als untätig herumzusitzen, selbst wenn dieses Etwas nur bescheidene Erfolge verspricht. Es ist klar geworden, dass die Geldpolitik an ihre Grenzen gekommen ist, auch dann, wenn sie auf unkonventionelle und umstrittene Mittel zurückgreift. Zinsen können nun einmal nicht unter null Prozent sinken, und je näher sie dem Nullpunkt kommen, desto geringer ist der Effekt einer weiteren, marginalen Senkung.

Die Fed wird entzaubert

Eine Folge ist: Die Fed wird entzaubert, das Vertrauen in die wichtigste Notenbank der Welt sinkt. Nicht zu unterschätzen ist dabei, dass sie zunehmend in die politischen Grabenkämpfe gezogen wird. Die komplette Führungsspitze der Republikanischen Partei forderte Bernanke in einem offenen Brief auf, die Geldpolitik nicht weiter zu lockern. Ein unerhörter Vorgang, der nicht nur zeigt, wie umstritten der Kurs in der Sache ist, sondern auch, wie viel Respekt die Fed als unabhängige Institution bei der amerikanischen Rechten verloren hat.

Die Krise bleibt hochgefährlich, wie der IWF in seinem Wirtschaftsausblick geschrieben hat. Sie ist nicht mit den Mitteln der Geldpolitik zu entschärfen, sondern nur dort, wo sie entstanden ist: in der Politik. Vor drei Jahren, im Herbst 2008, ist es den Finanzministern und Notenbankchefs der sieben großen Industrieländern am Rande der IWF-Tagung in Washington gelungen, die damalige Krise einzudämmen. An diesem Wochenende ist wieder IWF-Tagung – und die Erwartungen sind entsprechend hoch, dass es die Politiker noch einmal schaffen.

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