Goodbye to American Leadership

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Der Abschied vom amerikanischen Führungsanspruch

Von Andrea Seibel

24.05.13

Wenn es eines Beweises bedürfte, warum die Welt große Redner braucht, dann findet man ihn in der Person Barack Obamas. begründet. Der US-Präsident, dies ist sicher, wird in die Geschichte als der rhetorisch versierteste Politiker der jüngsten Zeit eingehen.

Die Rede scheint sein Element, und so kommt es, dass man sich seiner Ansprachen erinnert. Aber kann man mit Reden die Welt verändern?

In diesem Sinne erfährt sein Wahlkampfslogan “Change, yes we can” eine völlig neue Aufladung. Ja, die Umkehr geht. “We can’t any more.” Schon in seiner ersten Amtszeit war er der Rückentwickler seines Vorgängers George W. Bush und dessen Krieges gegen den Terror nach “9/11”.

Obama kündigte den Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan und dem Irak an. Dass er Osama Bin Ladens habhaft und der im Einsatz von Sonderkräften dramatisch getötet wurde, empfand er nicht als Sieg. Fast war es ihm peinlich, wie auch der unter ihm erfolgte Einsatz von Drohnen in Afghanistan und Pakistan, von denen er sich jetzt distanziert. Und auch Guantánamo, dieses exterritoriale Verwahrungslager hochgradiger islamistischer Gefährder, will er nun schließen.

Die Rede eines Defensiven

Ist Obama hart oder weich? Leitet sich sein Tun zwingend aus der amerikanischen Geschichte ab? Den innen- und gesellschaftspolitischen Krisen hat er bisher keine merkliche Reformpolitik entgegensetzen können. Daher dient seine zweite Amtszeit dem Ansinnen, mit weiteren großen “historischen” Reden sein Profil zu schärfen, ja an seinem Vermächtnis als erster schwarzer Präsident der USA zu feilen.

Seine neue außenpolitische Rede ist wieder die eines Defensiven. Der Präsident der Weltmacht Amerika, deren Sprache immer eine des Angriffs, des Optimismus, der Klarheit und auch der Omnipotenz war, sagt, man müsse sich “disziplinieren”, der Krieg gegen den Terror könne nicht ewig geführt, die unbegrenzte Macht des Militärischen müsse eingehegt werden. Kann das der Präsident einer Weltmacht sagen oder sollte er es nur denken?

Viel wurde in den letzten Jahren von maßgeblichen Intellektuellen über den Niedergang Amerikas, den Aufstieg und Fall großer Reiche und die Schwäche des Westens geschrieben. Obama gibt dieser “neuen Phase” seine Stimme: Es ist eine der Selbstbescheidung, der Reflexion, des Innenhaltens und des Zögerns.

Eine seltsame Läuterung, ja fast Buße liegt über allem. Mitarbeiter sprechen von “Evolution”. Aber es ist Verweigerung: Amerika will nicht mehr führen. Es beugt sich der Multipolarität der Welt und will weniger sein als das Besondere, Einmalige, das es immer war.

Ein gewagter Schritt: Ein im Amt ergrauter, juveniler Politiker stülpt seine Kapitulation vor der Komplexität des Globus seinem eigenen Land und dem Rest der Welt über. Und er stellt damit Weichen, an denen sich seine Nachfolger orientieren müssen. Es gibt vielleicht kein Zurück. Alldieweil die Despoten der Welt jubilieren.

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