Ebola in the US: Did ‘Patient Zero’ Receive Second-Rate Treatment?

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Ebola in den USA

Wurde “Patient Null” nur zweitklassig behandelt?

Der in den USA verstorbene Thomas Eric D. bekam in der Notaufnahme nur Antibiotika verschrieben und verlor dadurch wertvolle Zeit. Einen Mangel am “Wundermittel” ZMapp nennen Experten unentschuldbar.

Von Michael Remke, New York

Insgesamt elf Tage kämpfte Thomas Eric D. auf der Quarantänestation des Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas um sein Leben. Dann gab sein von Fieber geschwächter Körper auf. Am Mittwochmorgen um 7.51 Uhr Ortszeit (14.51 MESZ) starb der 42-Jährige, der als erster dokumentierter Ebola-Toter in Amerika in die Geschichtsbücher eingehen wird, an dem teuflischen Virus.

Doch der Fall scheint mit dem Tod des liberianischen Staatsbürgers noch lange nicht abgeschlossen zu sein. Der bekannte US-Bürgerrechtler Jesse Jackson fordert zusammen mit der Familie von D. eine lückenlose Aufklärung der Umstände, die zum Tod des Ebola-Infizierten geführt haben. Sie haben Zweifel daran, dass D. die richtige und vor allem die bestmögliche Behandlung bekommen habe, und drohen mit Schadenersatzklagen.

In Texas geht unterdessen die Angst vor einem zweiten Fall und einer Ausbreitung der Seuche um. Nur wenige Stunden nach dem Tod von D. wurde ein Polizist mit typischen Ebola-Symptomen in die Notaufnahme der Presbyterian-Klinik eingeliefert und unter Quarantäne gestellt. Sheriff Michael Monnig war eine Woche zuvor in der Wohnung von D. und hatte zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern der Gesundheitsbehörden der Familie einen Evakuierungsbescheid übergeben.

Inkubationszeit liegt bei 21 Tagen

Monnig soll mindestens 30 Minuten lang in dem Zwei-Zimmer-Apartment gewesen sein, in dem D. nach dem Ausbruch seiner Krankheit am 24. September noch tagelang mit hohem Fieber gekämpft hatte. Schutzkleidung trug er bei seinem Einsatz nicht. Dennoch musste Monnig später seine Kleidung in einen Plastiksack stecken und zur Entsorgung bei den Behörden abgeben.

Besorgniserregend ist dabei, dass der Polizist nicht zu der Gruppe von insgesamt 48 Personen gezählt wird, zu denen D. Kontakt hatte. Sie alle werden von den Gesundheitsbehörden im Hinblick auf mögliche Symptome von Ebola beobachtet. D.s Freundin, Louise Troh, ihr 13 Jahre alter Sohn sowie zwei Neffen, mit denen der Ebola-Patient tagelang in einer Wohnung lebte, gelten dabei als “besonders gefährdet” und dürfen nach ihrer Evakuierung ihr neues Apartment bis zum 19. Oktober nicht mehr verlassen. Die Inkubationszeit für Ebola liegt bei 21 Tagen.

Monnig war am Mittwochmorgen mit schweren Magenkrämpfen und Übelkeit aufgewacht und zunächst in die Notaufnahme einer Klinik in Frisco, 30 Autominuten nördlich von Dallas, gegangen. Dort alarmierte man sofort die Gesundheitsbehörden, die den Kranken ins Presbyterian überstellten. Die Familie wie auch die 18 Mitarbeiter der Notaufnahme in Frisco wurden unter Beobachtung gestellt.

Kontrolle an fünf Flughäfen

Das Presbyterian Hospital bestätigte mittlerweile den Ebola-Verdacht und bezeichnete die Gefahr einer möglichen Infektion mit dem tödlichen Virus bisher allerdings als “gering”. “Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Amerika nur eine Person, die mit Ebola diagnostiziert wurde”, sagte der Leiter des US-Seucheninstituts, Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Thomas Frieden, in Bezug auf den verstorbenen D. Es werde aber 48 Stunden dauern, bis man sich absolut sicher sein könne.

Frieden kündigte unterdessen an, dass die CDC an fünf Flughäfen in New York, Chicago, Washington DC, Atlanta und Newark Passagiere aus Westafrika auf mögliche Symptome testen werde. US-Präsident Barack Obama hatte kurz nach dem Tod von D. obligatorische Fieberkontrollen bei der Einreise in die USA aus den betroffenen Gebieten angekündigt. “95 Prozent aller Passagiere aus Liberia, Guinea und Sierra Leone kommen an diesen Airports an”, sagt CDC-Leiter Frieden.

Auch Thomas Eric D. war am 19. September von der liberianischen Hauptstadt Monrovia über Brüssel zunächst in Washington in die USA eingereist, bevor er weiter nach Dallas flog. Ein Screening seiner Körpertemperatur war dabei negativ. D. zeigte keine Anzeichen einer Ebola-Infektion. Die ersten Symptome traten erst vier Tage nach seiner Ankunft in Dallas auf. Die Ärzte der Notaufnahme am Presbyterian Hospital schickten den Kranken wegen eines “viralen Infekts” mit Antibiotika wieder nach Hause, obwohl er einer Krankenschwester mehrfach gesagt haben soll, dass er aus Liberia komme.

Ein neues Medikament

“Alles, was ich heute weiß, ist, dass er viel zu spät wegen Ebola behandelt wurde und nicht die besten Medikamente bekommen hat”, sagte Bürgerrechtler Jesse Jackson. “Er kam in die Notaufnahme und wurde abgewiesen.” Hätte D. möglicherweise gerettet werden können, wenn er am 25. September nicht wieder nach Hause geschickt worden wäre und sofort auf die Intensivstation gekommen wäre?

Der CDC-Leiter Frieden betonte in einer Presskonferenz am Mittwoch erneut, dass eine Früherkennung sehr wichtig sei. “Je früher ein Patient mit Ebola diagnostiziert wird, umso größer ist auch seine Chance, das Virus zu überleben.” Bei D. zumindest ist das nicht geschehen, und dies eröffnet der Familie die Möglichkeit zu einer Schadenersatzklage.

“Ich habe Vertrauen darin, dass die Umstände, die zum Tod von D. geführt haben, lückenlos untersucht werden”, erklärte die Freundin von D., Louise Troh, in einem schriftlichen Statement. Dabei will die 54-Jährige aber auch wissen, warum der Ebola-Patient nicht mit dem als “Wundermittel” bezeichneten ZMapp behandelt wurde. D. soll stattdessen ein anderes experimentelles Medikament, Brincidovir, bekommen haben.

Kein ZMapp vorrätig?

ZMapp dagegen gilt als Lebensretter der beiden US-Helfer Kent Brantly und Nancy Writebol, die sich in diesem Sommer ebenfalls in Liberia mit Ebola infiziert hatten und später erfolgreich in einer Klinik in Atlanta geheilt werden konnten. Brantly soll dabei zusätzlich schon in Liberia eine Bluttransfusion von einem Ebola-Überlebenden bekommen haben. Auch das soll seine Chance, das Virus zu besiegen, erhöht haben. D. dagegen bekam weder eine Bluttransfusion noch ZMapp.

Die Gesundheitsbehörden erklärten unterdessen, dass es einen Mangel an ZMapp gebe und das Medikament zurzeit nirgends in den USA zur Verfügung stehe. Aus diesem Grund hätte man auch D. nicht damit behandeln können. Marc Siegel, Professor am NYU Langon Medical Center in New York, hält das für einen Skandal. “Es ist unentschuldbar, dass Amerika seit Jahrzehnten in die Ebola-Forschung investiert und es jetzt einen Mangel an ZMapp geben soll”, erklärte er in einer Radiosendung.

“Ich habe große Zweifel daran, dass es tatsächlich das Medikament nicht mehr gegeben hat”, sagte auch Bürgerrechtler Jackson. “Und ich frage mich, warum er stattdessen ein Mittel bekommen hat, was noch niemals zuvor getestet wurde.” Die US-Behörden haben eine umfassende Untersuchung des Todes und auch der Behandlungsmethode von Amerikas erstem Ebola-Toten angekündigt.

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