America First: No Heart for the Needs of the Poor

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America first: Kein Herz für die Belange der Armen

Krankheiten müssen unbedingt weltweit bekämpft werden, trotz Trumps „America first“. Erreger, die Menschen in reicheren Ländern keine Probleme bereiten, können für von Hunger geschwächte Kinder und Erwachsene tödlich sein. Ein Kommentar.

Die USA werden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlassen, so hat es Donald Trump als eine seiner ersten Amtshandlungen beschlossen. Offiziell begründet er den Schritt damit, dass die WHO nicht richtig auf den Ausbruch des Coronavirus reagiert habe. So habe sie China gegenüber nicht genug auf Aufklärung bestanden. Außerdem müsse sich die Organisation strukturell verändern, erklärte der US-Präsident. Die Kritik ist in Teilen verständlich. Allerdings stellt sich die Frage, ob sie der wahre Grund für Trumps kompromisslosen Schritt ist. Und warum die USA nicht mit der WHO über Reformen verhandeln. Schließlich signalisiert diese Gesprächsbereitschaft.

Wahrscheinlicher ist, dass Trump einen Vorwand sucht, um die Zahlungen der USA an die WHO zu stoppen – zuletzt waren es rund 1,2 Milliarden Euro in zwei Jahren. Das Geld fließt vor allem in Hilfsprojekte und die Bekämpfung von Krankheiten in Afrika. Mit Trumps Motto „America first“ ist das offenbar nur schlecht vereinbar. Solidarität mit den Armen dieser Welt ist keine Herzensangelegenheit des Präsidenten.

Dass Afrika nun völlig sich selbst überlassen bleibt, ist nicht zu erwarten: Andere Länder werden bei der WHO-Finanzierung einspringen. Schon deshalb, weil sie Angst haben, dass bisher überwiegend in Afrika vorkommende Erreger wie das Mpox-Virus mutieren und eines Tages Pandemien auslösen könnten. Oder dass sich bereits heute hochgefährliche Krankheiten wie Ebola oder das Marburgvirus außerhalb des afrikanischen Kontinents ausbreiten.

Ganz selbstlos sind auch solche Beweggründe nicht. Dabei wird meist vergessen, dass diese und weitere Krankheiten in afrikanischen Ländern schon heute viele Opfer fordern. Und dass die Menschen dort wegen der schlechten Gesundheitsfürsorge aufgrund von Armut und Kriegen besonders gefährdet sind. So sorgte vor wenigen Tagen die vermeintliche Krankheit X für Schlagzeilen. Es wurde befürchtet, dass im Kongo ein neuer Erreger ausgebrochen sei. In Wahrheit waren dort Hunderte Kinder an besonders schweren Verläufen der Malaria erkrankt oder sogar gestorben. Und zwar deshalb, weil sie durch eine Hungersnot bereits stark geschwächt waren. Sobald bekannt wurde, dass für den Rest der Welt keine Gefahr besteht, ebbte die Aufmerksamkeit wieder ab. Dass viele Kinder unnötig sterben, weil es am Nötigsten mangelt – das zog leider kaum Konsequenzen nach sich.

Die WHO muss in armen Ländern humanitäre Hilfe leisten. Diesen Auftrag darf auch der kaltherzige Schritt Trumps nicht ausbremsen. Zu verhindern, dass sich Krankheiten im Rest der Welt ausbreiten, bleibt ein wichtiges Ziel. In Afrika müssen wir heute schon alles dafür tun, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und Leben zu retten.

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