Trump Is a Bully Who Can Be Bought Pretty Cheaply

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Trump ist ein Rüpel, der sich recht billig kaufen lässt

Erst einschüchtern, dann nachgeben: Mit der eitlen Verhandlungstaktik des US-Präsidenten werden die westlichen Partner leben können. Aber es wird mühsam.

Die handelspolitische Achterbahn, die Mexiko und Kanada durch die Hand des US-Präsidenten in den vergangenen vier Tagen erlebt haben, gibt einen Vorgeschmack für die kommenden vier Jahre unter Donald Trump. Mit seiner Ankündigung von hohen Zöllen gegen die beiden Nachbarstaaten hat Trump einen irrationalen Schritt gesetzt, der die USA beträchtlich, Mexiko und Kanada sogar massiv schaden würde.

Doch der Schock dort hielt nicht lange an. Innerhalb von zwei Tagen gelang es beiden Regierungen, die Umsetzung um einen Monat zu verschieben – mit Zugeständnissen von eher symbolischer Natur. Die Soldaten, die Mexiko und Kanada an die Grenze schicken werden, um illegale Migration und Fentanyl-Schmuggel zu unterbinden, hatten sie bereits lange zuvor versprochen.

Das ist typisch Trump. Zuerst schüchtert er sein Gegenüber brutal ein und dann akzeptiert er Kompromisse, mit denen die anderen leben können. “Die Kunst des Deals” nannte er das in seinem Buch aus den 1980er-Jahren. Was im rauen New Yorker Immobilienmarkt funktioniert hat, setzt er nun als Präsident einer Supermacht um.

Persönliche Eitelkeit

Dass bei jedem dieser Manöver Vertrauen und Glaubwürdigkeit schwinden, scheint Trump nicht zu stören. Denn ihm geht es trotz seines “America first”-Geredes weniger um nationale Interessen als um persönliche Eitelkeit. Trump regiert nicht wie ein Geschäftsmann, er spielt den Geschäftsmann, den man durch unterwürfiges Auftreten und scheinbare Erfolge zufriedenstellen kann. Hauptsache, er erhält das Gefühl, sich durchgesetzt zu haben und erhält Applaus auf Fox News. Er liebt es, den Rüpel zu spielen, der sich dann billig kaufen lässt.

Amerikas internationalen Partnern gibt diese Erfahrung Hoffnung, dass sie mit Trump leben werden können. Seit Wochen droht er Dänemark mit der Besetzung von Grönland. Aber es könnte ihm auch reichen, wenn US-Unternehmen Schürfrechte erhalten und die amerikanische Flagge im Eis weht.

Hoffnung für die Ukraine

Besonders wichtig sind Trumps jüngste Ansagen für die Ukraine. Seinen Vorschlag, weitere US-Unterstützung an die Lieferung von Seltenen Erden zu knüpfen, kann Kiew leicht akzeptieren; die Idee stammt sogar von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Denn was soll die Ukraine mit seinen Bodenschätzen denn sonst tun, als sie zu exportieren? Man kann sicher sein, dass auch in Zukunft viel mehr Geld aus dem Westen in die Ukraine fließen wird, um den Krieg und den Wiederaufbau zu finanzieren, als aus der Ukraine zurück in den Westen. Und wenn Trump sich die Seltenen Erden tatsächlich sichern will, dann muss er jetzt die Ukraine militärisch massiv unterstützen. Denn russische Truppen sind knapp davor, Gebiete mit wichtigen Vorkommen zu erobern. Sein absurd klingendes Angebot ist offenbar seine Art, eine notwendige geostrategische Entscheidung in seine egoistische Weltsicht einzubetten.

Wirklich beruhigt diese Erkenntnis nicht. Denn Mal für Mal müssen sich die Partner neue Geschenke einfallen lassen, mit denen sie den selbstsüchtigen Herrscher im Weißen Haus glücklich machen können. Das trifft Mexiko und Kanada bereits in einem Monat, die EU vielleicht sogar früher. Und es fällt auf, dass sich China erst gar nicht auf dieses Spiel einlässt, sondern sich offen wehrt. Die demokratische Welt wird die Trump-Ära wohl überleben. Aber einfach wird es nicht.

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