Wirtschaftsrisiko Trump
Der amerikanische Präsident setzt auf heimische Produktion statt Importe. Seine Politik könnte die USA in die wirtschaftliche Stagnation führen.
Manchmal müssen Regierungen Einschnitte vornehmen. Haushaltkonsolidierung etwa kann Staatsschulden auf ein erträgliches Niveau trimmen. Hier trifft das Argument zu, dass schmerzhafte Übergangsphasen für eine bessere Zukunft in Kauf zu nehmen sind. Präsident Donald Trump nutzt diese Begründung, um die Einbrüche der Aktienkurse, die schwindende Zuversicht der Verbraucher und ihre wachsende Sorge vor Teuerung als Übergangskosten einer Wirtschaftspolitik zu verharmlosen, die in ein Goldenes Zeitalter führt. Das sollten ihm die Amerikaner lieber nicht abnehmen.
Trumps Politik ist darauf ausgerichtet, Importe durch heimische Produktion zu ersetzen. Warum Autos einführen, wenn man sie selbst bauen kann, fragte jüngst Trumps Handelsminister Howard Lutnik. Diese „Import-Substitution-Industrialisierung“ war in den 50ern beliebt als Rezept für Entwicklungsländer in Lateinamerika und Teilen Asiens. Politiker fanden es gut, weil damit Fabrikeröffnungs¬zeremonien verbunden waren.
Protektionismus macht korrupter
Schon schnell stellte sich aber heraus, dass „Import-Substitution-Industrialisierung“ ein Rezept zur Dauerstagnation und gelegentlich zum Ruin war. Denn die Regierungen begannen, ineffiziente einheimische Industrien zu schützen, die Exporte sanken wie auch die Deviseneinnahmen.
Darüber hinaus standen Länder, die sich dem grenzüberschreitenden Handel verschrieben hatten, schnell viel besser da. Deshalb gaben zunächst Entwicklungsökonomen die Idee auf, später auch Politiker.
Mit Trump ist die Idee wieder da. Darin zeigt er nicht nur die Weigerung, aus der Geschichte zu lernen. Seine Zollpolitik macht Unternehmen zu Bittstellern. Sie wollen ihm Gefallen tun, um Schutz oder Ausnahmen von Handelsbeschränkungen zu erlangen.
Wer sich wundert, warum so viele Unternehmen Trumps Inauguration finanzieren wollten oder warum sie, wie jüngst Apple, gewöhnliche Investitionstätigkeit zu Großereignissen zur Unterstützung der Trump-Agenda aufbauschen, muss nicht länger suchen. Protektionismus macht die Vereinigten Staaten korrupter. Und es gibt leider keinen Hinweis, dass Trump etwas dagegen hätte.
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