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Middle Eastern Fear of Iran

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Die Angst in Nahost vor Teheran

Von Karin Leukefeld

30.11.2010

Die Angst in Nahost vor Teheran

USA-Sicht von Israel geprägt. Die von internationalen »Leitmedien« in Absprache mit Wikileaks veröffentlichte interne Washingtoner Diplomatenkorrespondenz bestätigt eine deutliche israelische Handschrift in der USA-Politik im Nahen Osten. Im Zentrum der Mitteilungen stehen das iranische Atomprogramm und Äußerungen besorgter arabischer Königshäuser, allesamt enge Bündnispartner der USA. Als Informationsquellen werden immer wieder Israel, dessen Geheimdienst Mossad und jene genannt, die von ihm abgeschöpft oder geführt werden.

In Riad ist man tief besorgt. Der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Jubair, wird mit den Worten zitiert, sein König habe sich mit »wiederholten Warnungen« an die USA gewandt, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Von einem Treffen mit General David Petraeus (2008) wird protokollarisch festgehalten, der Monarch habe Washington aufgefordert »der Schlange den Kopf abzuschlagen«. König Hamid bin Isa al-Khalifa von Bahrain wird mit dem Wunsch zitiert, die US-Amerikaner sollten »alles Notwendige« unternehmen, um Iran zu stoppen. Zeid Rifai, Berater des jordanischen Königs Abdullah, wird noch deutlicher: Die USA sollten »Iran bombardieren oder mit der iranischen (Atom)Bombe leben«.

Arabische Staaten, die die USA zur Zurückhaltung gegenüber Iran ermahnen und einen Dialog mit Teheran vorschlagen, werden allenfalls als »Gefährder« bezeichnet. Das gilt insbesondere für Syrien und Katar. Damaskus steht seit Jahrzehnten in einer strategischen Partnerschaft mit Teheran, der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khalife al-Thani, gilt als Schlichter in regionalen Konflikten, ob in Libanon, Jemen oder Sudan. Gegenüber Iran plädiert Scheich Hamad für Dialog statt Konfrontation. In einem Protokoll des US-Heimatschutzministeriums wird Mossad-Chef Meir Dagan zitiert, der den Emir von Katar als »wirkliches Problem« bezeichnet, der »alle ärgern« würde. Dagan riet seinen Washingtoner Gesprächspartnern dazu, die US-Basis in Katar aufzulösen.

Katars Position der Vermittlung wird auch von Saudi-Arabien und Ägypten kritisiert und hat innerhalb der Arabischen Liga schon mehrfach für Differenzen gesorgt. Die Korrespondenz legt nahe, dass neben Israel auch Saudi-Arabien, Jordanien, die Golfstaaten und Ägypten Iran als größte akute Gefahr ansehen. Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien gelten als Statthalter der USA im Nahen Osten, die beiden Letztgenannten haben mit Israel ein Friedensabkommen geschlossen. Das saudische Königshaus ist darüber hinaus ständig bemüht, seine regionale Vormachtstellung zu behaupten.

Iran ist historisch seit Jahrhunderten regionale Großmacht am Golf. Früher lag es im Wettstreit mit den Ottomanen, inzwischen mit Saudi-Arabien, das seit dem Zerfall des Osmanischen Reiches engste Bindungen mit den westlichen Imperien Großbritannien und den USA eingegangen ist. Eigentlich tendiert die arabische Tradition weniger zur Konfrontation und mehr zum Dialog, doch ist diese Haltung durch westlichen Einfluss und die konfrontative Politik Israels ins Wanken geraten.

Bis 2003 bezeichnete Israel Irak mit seinen angeblichen Massenvernichtungswaffen als größte regionale Gefahr. Seit dessen Sturz ins Chaos hat man Iran und dessen Atomprogramm als »größte Gefahr für die gesamte Menschheit« ausgemacht und nahezu den gesamten Westen hinter diese Einschätzung geschart. Während Iran den Atomwaffensperrvertrag und die IAEO-Zusatzprotokolle unterzeichnet hat, verbirgt Israel sein Atomprogramm und seine Kernwaffen hartnäckig vor jeder internationalen Kontrolle.







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