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A Guide to Rebellion

How long would it be until politicians had to acquiesce to public pressure if all the classrooms were childless?

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Anleitung zum Aufstand

Was würde passieren, wenn die amerikanische Jugend ihre Schulen so lange bestreikte, bis US-Präsident Trump die Sicherheit der Kinder vor die Interessen der Waffenlobby stellte? Ein Gedankenspiel.

Stellen Sie sich folgendes vor: Es ist der 20. April 2018, der 19. Jahrestag des Amoklaufs an der Columbine High School. Vor den Schulen in den USA ist es still. Drinnen läuft der Unterricht. Vielleicht ist der Himmel blau, vielleicht scheint die Sonne, vielleicht hört man Vögel. Da öffnen sich plötzlich die Türen der Klassenzimmer. In der Sandy Hook Elementary School, im Umpqua Community College, in der Stoneman Douglas High School, in den Schulen von New York bis Los Angeles, von Seattle bis Miami.

Die Schülerinnen und Schüler treten heraus, erst vereinzelt und etwas unsicher. Doch schon werden es mehr, schon wird aus den Einzelnen ein Strom von Jungen und Mädchen, von Kindern und Teenagern, ein Strom, der sich auf die Straßen ergießt. Hunderte in jeder Highschool, jeder Elementarschule. Tausende, Zehntausende im ganzen Land, die ihre Schulen verlassen.

Es ist ihr Zeichen, ihr landesweiter Protest gegen die Waffengesetze, die zulassen, dass es seit Columbine mehr als 170 "School Shootings" gab, dass so viele Menschen gestorben sind und so viele Schüler und Lehrer in Klassenräumen kauern und um ihr Leben bangen mussten.

Sie verlassen ihre Schulen, damit das endlich aufhört. Und sie werden erst zurückkommen, wenn die USA ihre Waffengesetze verschärft haben.

Statt Klassenarbeiten wütende Reden schreiben

Ein Tweet hat diesen Gedanken in die Welt gebracht: "Highschool-Schüler sprechen im Internet darüber, den 20. April zu dem Tag zu machen, an dem sie alle die Schulen verlassen und nicht zurückkommen, bis der Kongress die Waffengesetze aktualisiert, weil es ihre Leben sind, die auf dem Spiel stehen." Ein Missverständnis, das in den Kommentaren schnell aufgeklärt wurde - und eine bemerkenswerte Idee.

Die Waffengesetze in den USA sind ein Problem, bei dem längst alle Argumente ausgetauscht sind. Nach jedem der vielen Amokläufe verfassen Journalisten und Intellektuelle Appelle an die Vernunft, führen einleuchtende Argumente ins Feld und präsentieren überzeugende Statistiken. Seit Jahrzehnten streiten Politiker, Wähler, Waffenlobbyisten, Aktivisten, Opfer und Gegner erbittert über das US-amerikanische Waffenrecht. Passiert ist wenig. Zwar sagte Trump nun, dass er möglicherweise bereit wäre, die Überprüfung von Waffenkäufern in den USA zu verschärfen. Wie lange er an dieser Idee festhält, bleibt abzuwarten.

Derweil beziehen Schülerinnen und Schüler Stellung gegen die Waffengesetze. Sie organisieren sich, verschaffen sich Gehör und richten deutliche Worte an Trump. Der Aufstand der Jugend ist in vollem Gang. Doch wird sich so genug ändern - oder müssten sie vielleicht noch weiter gehen?

Die Jugend ist das wichtigste Kapital jedes Landes. Was würde geschehen, wenn die Schüler wirklich aufstünden und ihre Schulen verließen? Einen Tag lang, eine Woche, Monate. Wenn sie demonstrierten, statt Schulbücher zu wälzen? Wenn sie wütende Reden schrieben statt Klassenarbeiten? Wenn sie statt Bildern im Kunstunterricht Protestbanner malten? Oder auch, wenn sie einfach zu Hause blieben? Was würde passieren? Wie lange würde es dauern, bis die Politik sich dem öffentlichen Druck fügen müsste, wenn alle Klassenzimmer verwaist sind? Sicher nicht lange.

"Wir sind die Kinder, über die ihr in Lehrbüchern lesen werdet"

Und wenn es dann doch Monate dauert? Müssen die Kinder dann nicht vielleicht die Klasse wiederholen? Dann verlieren sie doch ein Jahr. Das geht doch nicht. Möglich. Aber dann schreiben sie auch Geschichte. Dann gelingt ihnen, was offenbar kein Politiker vermag: Dann machen sie nicht nur ihre Schulen zu einem sichereren Ort, sondern ganz Amerika.

Würden Politiker beschließen, jeden einzelnen Schüler mit Polizeigewalt auf die Schulbank zu zwingen? Wohl kaum. Würden Eltern versuchen, ihren Kindern die Revolution auszureden? Einige gewiss. Doch ebenso gewiss würden viele Politiker eine solche Chance ergreifen, endlich Veränderungen herbeizuführen.

In ihrer Rede bei der Anti-Waffen-Demonstration in Fort Lauderdale rief die Schülerin Emma Gonzalez: "Wir sind die Kinder, über die ihr in Lehrbüchern lesen werdet." Und dann: "Nicht weil wir nur eine weitere Statistik der US-Massenschießereien sein werden, sondern weil wir die letzte Massenschießerei sein werden."

Das ist optimistisch, ja, manche mögen diesen Satz naiv nennen. Aber es ist eine Vision gegen den Wahnsinn des US-Waffenrechts, etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Und das ist mehr, als die amerikanische Politik den Menschen zu bieten hat.







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